Projekt bringt Stadtkindern das Dorfleben näher – Eine Zusammenfassung des 2. Projektintervalls
Zwei Kinder zappeln und schütteln sich, dahinter stehen zwei weitere und pusten mit voller Kraft nach unten. Die nächsten schlängeln sich hin und her. Insgesamt stellen zehn Kinder die Arbeitsabläufe eines Mähdreschers nach. Diese „menschliche Maschine“ ist der kreative Auftakt und zugleich das Aufwärmprogramm für ein ganz besonderes Schulprojekt.
Für dieses Projekt arbeiten die Agrardienste Sachsen-Anhalt GmbH (ASA), ein Tochterunternehmen des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e. V., und die Sekundarschule „Thomas Müntzer“ in Wernigerode eng zusammen. Beteiligt sind Schülerinnen und Schüler der Klassen 5c und 6c im Alter von 11 und 12 Jahren. Organisiert und betreut wird das Projekt von Alina Müller (ASA) sowie Diana Borchert vom Bauernverband Nordharz e. V.
Es handelt sich bereits um das zweite Intervall des durch LEADER/CLLD geförderten Projekts. Im vergangenen Jahr nahmen die Klassen 5a und 5b an insgesamt sieben Veranstaltungen teil. In diesem Schulhalbjahr absolvieren nun 23 Kinder der 5c und 27 Kinder der 6c gemeinsam mit ihren Lehrerinnen Frau Neumann und Frau Watzek Theorie- und Praxistage. Die Förderung erfolgt über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+), beantragt über die LEADER/CLLD-Region Harz. Projektträger ist der Bauernverband Nordharz e. V.
Die theoretischen Einheiten dienen der Vor- und Nachbereitung der Praxistage. So begann das Projekt nach den Februarferien mit zwei Schulstunden, in denen anhand einer großen politischen Karte die Landkreise Sachsen-Anhalts verortet wurden. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich zudem mit dem Begriff „Gemeinde“ und lernten die Gemeinde Nordharz mit ihren Ortsteilen Abbenrode, Danstedt, Heudeber, Langeln, Schmatzfeld, Stapelburg, Veckenstedt und Wasserleben kennen. Auch alltagsnahe Themen wie Mietpreise in Stadt und Land wurden anhand von Quadratmeterberechnungen verglichen. Insgesamt stehen Verwaltung, das Leben auf dem Dorf sowie die Landwirtschaft im Mittelpunkt, die die Kulturlandschaft der Region maßgeblich prägt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Orten Veckenstedt und Wasserleben.
Die „menschliche Maschine“ sorgte gleich zu Beginn für eine lockere Atmosphäre und erleichterte das Kennenlernen zwischen Schülern, Lehrerinnen und Projektleitern. Entsprechend groß war die Vorfreude auf den ersten Praxistag: Mit dem Bus ging es nach Veckenstedt. Dort führte Bürgermeister Gerald Fröhlich durch das Rathaus, erklärte die Aufgaben der einzelnen Ämter und zeigte den Schülerinnen und Schülern die Gemeinde sowie den Museumshof.
Im anschließenden Theorieblock wurde das Thema „Kommunalpolitik“ vertieft: die Klassen hielten eine Bürgermeisterwahl – inklusive Kandidatenaufstellung, Unterschriftenlisten, Wahlurne und Auszählung durch Wahlhelfer, ab. Begleitende Arbeitsblätter rundeten diese 1. praktische Einheit ab.
Am 2. Praxistag im Ort Wasserleben stellte Bernd Feuerstack zunächst den Gutshof, den historischen Park sowie die Domäne mit der alten Schule vor. Anschließend wurden die Schülerinnen und Schüler in Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erkundete mit Hans-Georg Krosberg vom Heimatverein das Heimatmuseum, während die andere Gruppe unter Anleitung von Andreas Casper und Brigitte Schramm vom Kultur- und Verschönerungsverein kreativ tätig wurde. Mit Wasserfarben und Papier entstanden zahlreiche kleine Kunstwerke.
Darüber hinaus lernten die Kinder die vielfältige Vereinslandschaft kennen. Vertreter verschiedener Vereine – darunter ein Sportverein, der Schützenverein, ein Kultur- und Verschönerungsverein, ein Treckerverein sowie der Förderverein Domäne Wasserleben – beantworteten die Fragen der Schülerinnen und Schüler.
Der dritte Praxistag führte die Klassen zur Agrarproduktionsgenossenschaft Wasserleben e. G. (APRO). Der Geschäftsführer Michael Wesche stellte den Marktfruchtbetrieb vor, auf dessen 1.100 Hektar Anbaufläche sieben Mitarbeitende Raps, Weizen, Sonnenblumen, Gerste, Mais, Erbsen und Ackerbohnen produzieren. Bei einem anschließenden Besuch auf dem Feld erklärte Herr Wesche ausführlich die Rapspflanze, während in der Milchland KG die kleinen Kälbchen die Favoriten waren.
Zurück auf dem Betriebshof konnten die Schülerinnen und Schüler einen Mähdrescher aus nächster Nähe betrachten und verschiedene Saaten kennenlernen. Zudem vermittelte Wilfried Feuerstack, ein erfahrener Landwirt im Ruhestand, Einblicke in die Geschichte der Landwirtschaft und frühere Arbeitstechniken, etwa die Nutzung eines Dreschflegels.
Kurz vor den Pfingstferien fand ein weiterer Theorieblock statt. Dabei wiederholte Diana Borchert wichtige Inhalte wie Aufbau, Ernte, Verarbeitung und Nutzung der Rapspflanze. Arbeitsblätter wurden bearbeitet und gemeinsam mit Alina Müller ausgewertet. Mithilfe einer Haferquetsche und eines Mörsers konnten die Kinder praktisch nachvollziehen, wie aufwendig die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln ist.
Den Abschluss bildete ein Präsentationstag in der Schule. In Gruppen stellten die Schülerinnen und Schüler ihre Erkenntnisse und Eindrücke vor. Die im Projekt eingesetzten Materialien – darunter Stifte, Papier und Anschauungstafeln – verbleiben in der Schule. Auch kleine Geschenke wie Strohhüte und Rucksäcke mit dem Aufdruck „Dorf macht Schule“ kamen bei den Kindern gut an. Ein Fragebogen bot zusätzlich die Möglichkeit, Feedback zu geben.
Wir danken den Kooperationspartnern sowie den engagierten Helferinnen und Helfern herzlich für ihre hervorragende Unterstützung bei der Umsetzung des zweiten Projektintervalls.“
Nach den Sommerferien startet das dritte Intervall des Projekts mit zwei neuen Klassen aus dem Landschulheim Grovesmühle in Veckenstedt. Insgesamt sind fünf Durchgänge geplant, das Projekt läuft bis 2028. Ähnliche Projekte werden zudem im Salzlandkreis und im Jerichower Land von den jeweiligen Kreisbauernverbänden umgesetzt.
Text: BV Nordharz e.V.