Überreichung des Erntedankkorbes –

Erntebilanz im Landkreis: Witterung, Schädlinge und Bürokratie setzen Landwirten zu

Foto: LK Harz (Pressestelle)

Bauernverband Nordharz e. V. ermöglicht Überblick über die Erntesaison

Am 5. Oktober wurde im Anschluss an die Erntedankfeste im Landkreis traditionell der diesjährige Erntekorb, befüllt von der Agrargenossenschaft Ditfurt eG an Landrat Thomas Balcerowski übergeben. Geschäftsführerin Diana Borchert berichtete gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Julia Bode und Karsten Zein sowie der Vizepräsidentin des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, Susann Thielecke, über die diesjährigen Ernteergebnisse und die aktuelle Situation der Landwirtschaft im Landkreis.

Die vom Bauernverband Nordharz e.V. erhobenen Ernteergebnisse spiegeln den Witterungsverlauf des ersten Halbjahres deutlich wider.

Während bei der Wintergerste ein durchschnittlicher Ertrag von 85,9 dt/ha erzielt wurde (2025: 91,5 dt/ha), lag der Ertrag beim Winterweizen bei 73,0 dt/ha (2025: 79,0 dt/ha). Die Ursache für diesen Unterschied liegt insbesondere in der unterschiedlichen Entwicklung der Kulturen während der ersten Hitzeperiode Ende Juni. Bei der Wintergerste war die Kornfüllungsphase zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, während sie beim Winterweizen erst zu rund zwei Dritteln beendet war. Die Hitze wirkte sich daher stärker auf die Ertragsbildung des Winterweizens aus.

Besonders enttäuschend fiel das Ergebnis beim Winterraps aus. Mit durchschnittlich 29,4 dt/ha blieb der Ertrag deutlich unter dem Vorjahreswert von 36,7 dt/ha. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem Schäden durch den Rapserdfloh, dessen Auftreten nach der Aussaat im Herbst des Vorjahres deutlich verstärkt war. Hinzu kamen ungünstige Witterungsbedingungen mit kühlen Temperaturen während der Blütezeit, die die Entwicklung der Bestände zusätzlich beeinträchtigten.

Alle Anwesenden waren sich einig, dass die extreme Hitze im Juni die Ernteergebnisse deutlich beeinträchtigt hat. Zwar verlief das Frühjahr witterungsbedingt zunächst vielversprechend, doch während den trockenen Sommermonaten zeigte sich, dass die Bedingungen etwa für Winterweizen oder Kartoffeln und die Rapsaussaat für die Ernte 2027 ungünstig waren. Insgesamt fällt die Ernte durchschnittlich aus, regional jedoch teilweise mit geringeren Qualitäten – mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen für die ohnehin stark belasteten Betriebe.

„Es war kein einfaches Erntejahr, und wir sorgen uns nicht nur wegen des fehlenden Regens oder dem zunehmenden Auftreten von Blattläusen, dem Rapserdfloh oder der Schilfglasflügelzikade,um nur einige Schädlinge zu nennen, sondern auch wegen der zunehmenden Einengung unserer Betriebe durch Richtlinien, Bestimmungen und Dokumentationspflichten“, betonte Diana Borchert. „Die Erlöse aus unserer Ernte, ebenso wie aus Fleisch- und Milchprodukten, sinken, während der Bürokratieaufwand und die Produktionskosten seit Jahren steigen. Wir kommen kaum noch zu unserer eigentlichen Tätigkeit, für die wir einst studiert oder gelernt haben und die wir lieben – der Arbeit auf Hof und Feld.“

Auch Landrat Thomas Balcerowski bestätigte aus seiner Sicht die Sorgen des Bauernverbandes: „Wenn wir über die Entwicklung der Ernte sprechen, geht es nicht nur um Jahresbilanzen. Wir sind auf unsere Landwirte für die Lebensmittelproduktion angewiesen. Zugleich müssen wir fragen, wie die Betriebe als Wirtschaftsbetriebe für die Zukunft aufgestellt sind – hier im Landkreis nimmt die Zahl der Betriebe ab. Mit Blick auf den zunehmenden Aufwand durch die Umsetzung von Verordnungen und Richtlinien muss die Politik ihre Perspektive wieder stärker auf die Praxis richten und fragen, wie Regelungen tatsächlich umsetzbar sind.“

Diana Borchert verwies in diesem Zusammenhang auf den finanziellen Druck, der auf den Landwirten lastet: Bundesthemen wie Mindestlohn, Sozialabgaben oder die extrem gesteigenen Düngermittel-und Dieselkosten würden direkt in den Betrieben spürbar. Karsten Zein schilderte dies insbesondere mit Blick auf die Schweinehaltung: Immer mehr Betriebe geben auf, die Erträge aus dem Fleischverkauf sind nicht kostendeckend, Investitionsspielräume fehlen. „Ein Bauer, der seinen Betrieb einmal geschlossen hat, baut ihn nicht wieder auf“, so Zein.

Während die Zahl der Schweine haltenden Betriebe weiterhin sinkt, ist auch in der Milchviehhaltung ein anhaltender Strukturwandel zu beobachten. Zwar führen steigende Tierzahlen in den verbleibenden Betrieben zu höheren Milchmengen am Markt, doch selbst gestiegene Erzeugerpreise reichen vielfach nicht aus, um die deutlich gestiegenen Produktionskosten zu decken. Die Tierhalter stehen damit zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Gleichzeitig sind sie verpflichtet, hohe Tierwohlstandards zu erfüllen, was zusätzliche Investitionen sowie angepasste betriebliche Abläufe erforderlich macht.

Abschließend waren sich Bauernverband und Landrat einig, dass der direkte Austausch zwischen Verwaltung und Landwirtschaft weiter intensiviert werden müsse, um Anliegen frühzeitig zu besprechen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Text: Pressemitteilung LK Harz (Pressestelle)