Bauernschaft unter Druck – Gemeinsames politisches Engagement ist wichtig

Regionalpolitiker vor der Wahl beim Nordharzer Kreisbauerntag

Gut gefüllter Versammlungssaal im K6 zum Kreisbauerntag Bauernverband Nordharz e.V. – Vorstandsmitglied und Versammlungsleiter Klaus Kilian konnte kürzlich bereits zum nichtöffentlichen Teil der Verbandsversammlung rund 60 Landwirte begrüßen. Schon das Programm wie auch ein sachkundiges Präsidium versprachen eine abwechslungsreiche Veranstaltung, hatten sich doch hier die obersten Vertreter des Landesbauernverbandes eingefunden: Sachsen-Anhalts Bauernverbands-präsident Olaf Feuerborn, Vizepräsidentin Susann Thielecke und Geschäftsführer Marcus Rothbart.

Die Bauernschaft steht unter Druck, steigende Kosten für Betriebsmittel, Steuern oder Energie stehen den niedrigen Weltmarktpreisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse gegenüber. Die Versorgung der Bürger mit in Deutschland erzeugten und hier verarbeiteten Lebensmitteln verliert bei politischen Entscheidungen offenkundig immer mehr an Bedeutung. Es gibt immer weniger tierhaltende Betriebe, wobei die Milchviehhalter gerade ganz aussterben. Ständig neue Verbote, Anordnungen und Aufzeichnungspflichten machen den Landwirten zusätzlich das Leben schwer.  

Wilfried Feuerstack, langjähriges Vorstandsmitglied, fand deutliche Worte: „Unsere Motivation beim Aufbau des Bauernverbandes war damals, dass wir uns um unsere Belange selber kümmern müssen. Nach der Wende stand aber die Gesellschaft noch hinter uns.“ Der engagierte Landwirt forderte alle Berufskollegen und besonders den neu zu wählenden Vorstand auf, gemeinsam mit allen Bauern die heimische Landwirtschaft zu stärken, politisch aktiv zu sein. Auch Kilian empfahl die in der Vergangenheit bewährte Zusammenarbeit mit den anderen Bauernvereinigungen. Der Versammlungsleiter bedauerte wie auch Diana Borchert, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordharz, in ihrem Bericht den Austritt einiger Betriebe aus dem Verband. Das ließe Solidarität vermissen, so Kilian. Borchert ist eher enttäuscht von den Berufskollegen, die solche Entscheidungen träfen und wie alle anderen doch weiter von der Arbeit der Verbände profitierten. Borchert führte aus, was der Kreis- und Landesbauernverband sowie der Deutsche Bauernverband im vergangenen Jahr erreicht hätte und woran noch gearbeitet würde. Auch Präsident Feuerborn erläuterte, unter anderem am Beispiel der Düngeverordnung, wie schwierig, langwierig und wie klein mitunter die Schritte vorwärts bei Verhandlungen auf politischer Ebene seien. Er lobte die Mitarbeiter in den Geschäftsstellen der Kreisverbände und die Ehrenamtler für ihren Einsatz. Kurze Diskussionsbeiträge, Revisionsbericht, Haushaltsbericht, Beitragsordnungsbeschluss und die Wahl der Delegierten zum Landesbauerntag 2026 folgten gemäß dem Versammlungsprocedere.

Die Wahl des neuen Vorstandes und der Revisionskommission bildete den Abschluss des internen Teils.

Zur Wahl traten Frank Zedler, Klaus Uwe Marlow, Jörg Weidemann und Wilfried Feuerstack. Ihnen dankte der Vorsitzende für das langjährige Enagament für den Berufstand.

Nach einer kleinen Pause begrüßte Thielecke zum offiziellen Teil das um viele Gäste erweiterte Publikum: Kirchen- und Bankvertreter, der Amtsleiter des ALFF Mitte (Amt für Landwirtschaft, Forsten und Flurneuordnung), Thorsten Stier, Vorstände der Landsenioren und andere. Unter ihnen auch Halberstadts Bürgermeister Daniel Szarata und Landrat Thomas Balcerowski. Szarata setzte sich vehement für den Standort des ALFF in Halberstadt als Ansprechpartner der regionalen Bauern ein. Der Landrat mahnte „in diesen aufgewühlten Zeiten, in der sich immer mehr die Kraft des Stärkeren durchsetzt“, unter anderem eine Verwaltungsreform an, bemängelte die hohen Sozialasten für den Landkreis und forderte „ehrliche Diskussionen“ im Land. Für die Politiker müsse die Einheit von Wort und Tat gelten, sagte Balcerowski. Sie sollten auch nach der Wahl die Säle füllen, sagte er in Anbetracht der anwesenden lokalen Parteipolitiker aller Couleur. Kathrin Tarricone (FDP), Alexander Luft (Die Linke), Madeleine Linke (Bündnis 90 /Die Grünen), André Weber (Freie Wähler), Alexander Räuscher (CDU), Elrid Pasbrig (SPD) und Dennis Möhring (AfD). Diese waren zu einer Podiumsdiskussion geladen. Im September ist Wahl; sie kamen gern, wie sie alle betonten. Thielecke dazu: „Wir merken uns, was sie vor der Wahl sagen und was sie danach tun.“ Marcus Rothbart stellte den Politikern der Reihe nach Fragen zu Themen, die die Landwirte interessierten, wie der neuen GAP-Periode, Ideen zum Bürokratieabbau oder dem Mindestlohn. Die Antworten wurden sorgfältig notiert.

Den Abschluss bildete ein engagierter Vortrag von Maja Rudolph von der DKB. Sie sprach zum Thema Cybersicherheit, welches auch die Landwirtschaftsunternehmen in zunehmendem Maße beträfe, wie Rudolph an einigen Beispielen aufzeigte. Die Digitalisierung erfordere einen verantwort-ungsvollen Umgang mit den sozialen Medien. Das beträfe Firmen genauso wie den privaten Bereich. Standards sollten hier wie da Sicherheitsupdates und Virenschutz sein. Ein Tipp von ihr: Bei ungewöhnlichen SMS, Anrufen oder Mails solle man nicht dem Druck oder der Gier nach irgendwas nachgeben, sondern „stoppen, hinterfragen und schützen“.

Foto & Text: B.Ilse
Foto (B.Ilse): Dank für Engagement an J. Weidemann 2.v.r.; F. Zedler 3. v. r. und W. Feuerstack 3. v. l.r

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert